Merit-Order-Effekt: Wie erneuerbare Energien den Börsenstrompreis senken und Unternehmen davon profitieren

Johannes Müller
Johannes Müller

Es ist auf den ersten Blick verblüffend: Erneuerbare Energien machen den Preis für Strom an der Börse nicht teurer. Im Gegenteil: Sie senken den Börsenstrompreis im Kurzfristhandel sogar. Verantwortlich dafür ist der sogenannte Merit-Order-Effekt.

Bevor wir detailliert auf den Merit-Order-Effekt eingehen, werfen wir zunächst einen Blick auf die grundsätzliche Preisbildung am Energiemarkt.

Angebot und Nachfrage legen den Börsenstrompreis fest

Der Börsenstrompreis ergibt sich aus dem Verhältnis von Angebot (Erzeugungskapazitäten) und Nachfrage.

Die Nachfrage nach Strom wird im gewerblich-industriellen Bereich in hohem Maße von der konjunkturellen Lage beeinflusst. In Zeiten eines Booms ist der Strombedarf deutlich höher als während einer Rezession. Ein Konjunktur- und Nachfragerückgang tritt häufig in Verbindung mit Krisen auf. Genannt sei hier beispielhaft die aktuelle Coronakrise oder auch die Finanzkrise 2008.

Beim Angebot nimmt das Gut Strom eine besondere Rolle ein: Elektrischer Strom ist nicht speicherbar. Deshalb muss das Angebot immer unmittelbar an die Nachfrage angepasst werden. Je nach Marktsituation kann die Zusammensetzung des Stromangebots also erheblich variieren.

Die Merit-Order bestimmt die Einsatzreihenfolge von Kraftwerken

Die Merit-Order beschreibt die Einsatzreihenfolge der stromproduzierenden Kraftwerke am Großhandelsmarkt. Dazu zählen neben fossilen Öl-, Gas- oder Kohlekraftwerken sowie der Kernenergie auch Photovoltaik-, Wind- oder Wasserkraftanlagen.

Über die Merit Order wird nun bestimmt, welche dieser Kraftwerke zur Deckung des Strombedarfs eingesetzt werden, und welche nicht. Auf diese Weise soll eine wirtschaftliche und zugleich sichere Stromversorgung gewährleistet werden.

Welche Kraftwerke nun Vorrang haben, richtet sich im Wesentlichen nach den niedrigsten Grenzkosten. In anderen Worten: Hinzugeschaltet wird das Kraftwerk, das die nächste benötigte Megawattstunde am günstigsten herstellen kann. Günstige Kraftwerke erhalten somit grundsätzlich den Vorrang; teure Erzeugungskapazitäten fallen hingegen aus der Preisbildung.

Wichtig für den "Merit-Order-Effekt": Im Gegensatz zu fossilen Energieträgern wie Kohle, Gas oder auch der Kernenergie tendieren die Grenzkosten erneuerbarer Energien gegen Null. Der laufende Betrieb von PV-, Wind- oder Wasserkraftanlagen ist quasi kostenlos möglich.

Wenn die Nachfrage sinkt, fallen auch die Börsenstrompreise

Was passiert nun, wenn die Nachfrage – wie zum Beispiel an Wochenenden – stark zurückgeht? Dann werden gemäß der Merit-Order solange teurere Erzeugungskapazitäten abgeschaltet (in der Grafik auf der rechten Seite), bis das kurzfristige Überangebot wieder ausgeglichen ist.

Erneuerbare Energien mit Grenzkosten nahe Null legen sich hierbei in ihrem Angebotspreis immer unter die sonstigen Erzeugungskapazitäten und machen einen größeren Teil des gesamten Strommixes aus. Die Folge: der Börsenstrompreis sinkt.

Aber was hat es nun mit der Merit-Order auf sich? Und wie können Unternehmen im Stromeinkauf von dem sogenannten "Merit-Order-Effekt" profitieren?

Erneuerbare Energien wirken preissenkend (Merit-Order-Effekt)

Auch an besonders sonnigen oder stürmischen Tagen – wenn also viel Ökostrom zur Verfügung steht – werden teure Spitzenlastkraftwerke in der Merit Order nach hinten verdrängt.

Allerdings: Übersteigt der produzierte Strom den tatsächlichen Bedarf, zum Beispiel an Feiertagen, dann entsteht immer häufiger ein Überschuss an Energie. Um diese Übermengen aufgrund der fehlenden Speicherbarkeit wieder "loszuwerden", werden sie am kurzfristigen Spotmarkt zu besonders günstigen Konditionen verkauft.

Immer häufiger kommen so auch negative Börsenstrompreise zu Stande. Als Unternehmen werden Sie also dafür belohnt, dass Sie mit Ihrem Stromverbrauch zur Netzstabilität beitragen. 

Ein Beispiel: Als Orkan "Sabine" im Februar 2020 mit Rekordgeschwindigkeit über das Land fegte, wurden am Spotmarkt 18 Stunden in Folge negative Börsenstrompreise gehandelt. Eine Woche später waren es sogar 23 Stunden (!) mit Negativpreisen.

Fazit: Je größer die Einspeisung durch Erneuerbare Energien, desto stärker die „preisdämpfende Wirkung“ auf den Strompreis (Merit-Order-Effekt).

Die gesunkenen Börsenstrompreise kommen bei vielen Unternehmen gar nicht an

Warum aber kommen die durch den Merit-Order-Effekt gesunkenen Börsenstrompreise bei den meisten Unternehmen gar nicht an?

Der Grund: Viele mittelständische Unternehmen beschaffen ihren gesamten Strombedarf über mehrere Jahre im Voraus in einem Festpreismodell.

Diese Art des Energieeinkaufes funktioniert nach dem "Alles-auf-einmal"-Prinzip und ist für den Merit-Order-Effekt nicht flexibel genug. Zudem beinhaltet die Vorabbeschaffung über Jahre diverse Risikoaufschläge der Energieversorgungsunternehmen, welche sich preiserhöhend auswirken.

Nur am kurzfristigen Spotmarkt können Unternehmen direkt von positiven Entwicklungen an der Börse profitieren und Risikoaufschläge vermeiden. Negative Großhandelspreise werden 1:1 an Sie durchgereicht – transparent und fair.

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Johannes Müller

Als Geschäftsführer der EGT Energievertrieb GmbH verantwortet der zweifache Familienvater die Bereiche Abrechnung, Beschaffung, Marketing und Controlling.

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